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Eine hektische Solaroffensive erhöht den Strompreis

14.06.2024 Mischa Hauswirth

Vorstoss Christine Frey, FDP-Landrätin und Präsidentin des HEV Münchenstein, verlangt vom Kanton Basel-Landschaft, dass er den Ausbau der Solarenergie besser steuert, um die Netzausbaukosten zu bremsen.

In Deutschland läuft gerade ein gigantisches Wirtschafts-Experiment in Echtzeit ab. Die Energiewende, wie sie die Ampel-Regierung vorantreibt, führt zu Engpässen in der Stromversorgung und würgt die Wirtschaft ab. Die Massnahmen mussten bereits in vielen Bereichen abgeschwächt oder ganz revidiert werden. Der Ausstieg aus der Atomenergie erweist sich als Rohrkrepierer, ebenso musste die energetische Sanierungspflicht für Bestandesbauten gestoppt werden, da nicht umsetzbar und zu teuer – der Widerstand in der Bevölkerung wurde zu gross, da sich viele Wohneigentümer einen solchen Investitionskraftakt schlicht nicht leisten konnten. Ein Thema, das bislang noch wenig öffentliche Beachtung erhielt, ist der notwendige Ausbau der Netzinfrastruktur, ohne den die Energiewende unmöglich ist. Denn wenn überall mehr Strom benötigt und produziert wird, geht das nicht ohne eine Anpassung der Stromleitungen. Und die verteuert am Ende den Strompreis, denn die Stromunternehmen geben diese Investitionskosten an ihre Kunden weiter. Wie die unlängst erschienene Studie «Zukunftspfad Energieversorgung» von McKinsey zeigt, könnten die Systemkosten für den Umbau des deutschen Stromsystems bis 2035 um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Anstatt die Kapazität der erneuerbaren Stromerzeugung auf die geplanten 506 GW zu erhöhen, würde ein Ausbau auf 350 GW ausreichen, so die McKinsey-Studie. Gleichzeitig sollten die Kapazitäten der wasserstofffähigen Gaskraftwerke um 50 GW erweitert werden statt nur um 9 GW, wie ursprünglich geplant. Dies würde auch den Bedarf an kostenintensiven Stromleitungen verringern, insbesondere wenn diese Gaskraftwerke im Süden Deutschlands angesiedelt würden, wo der Strombedarf besonders hoch ist. Die Folge wäre eine Einsparung von 150 Milliarden Euro. Endkunden würden profitieren, wenn sich der Strompreis auf etwa 42 bis 44 Cent pro Kilowattstunde stabilisierte (momentan liegt er bei rund 26 Cent). Zudem würde eine solche Strategie gewährleisten, dass Deutschland auch in Zeiten von Dunkel-flauten und Spitzenlasten in den Wintermonaten den steigenden Strombedarf vollständig durch inländische Erzeugungskapazitäten decken könnte. Denn: Deutschland hängt nach aktuellen Einschätzungen in Spitzenzeiten von bis zu 30 GW Leistung von Strom-importen ab – was etwa 20 Grosskraftwerken entspricht. Durch solche Anpassungen im Stromsystem könnten sowohl Versorgungssicherheit als auch Wirtschaftlichkeit der Energiewende verbessert werden.

Mehr Gaskraftwerke nötig

Die McKinsey-Studie zeigt weiter, dass der geplante Ausbau der Solarenergie in Deutschland bis 2035 um 53 Prozent niedriger ausfallen sollte als geplant, um die Kosten für den Netzausbau zu senken. Grund: Photovoltaikanlagen (PV) erfordern starke Stromnetze, und das treibt die Netzausbaukosten in die Höhe. Wenn die Netzkosten aber steigen und sich in der Folge die Strompreise erhöhen, verringert das die Akzeptanz für erneuerbare Energien, Elektroautos und strombetriebene Wärmepumpen, ja für die Energiewende insgesamt. Leonhard Birnbaum, Chef des deutschen Stromnetzbetreibers Eon, betonte kürzlich, dass die Bundesregierung den regional gesteuerten Ausbau der erneuerbaren Energien in Erwägung ziehen sollte, um die Netzkosten im Griff zu behalten. Laut McKinsey könnten die Netzentgelte in Deutschland ohne politische Korrekturmassnahmen von neun Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2022 auf 21 bis 23 Cent im Jahr 2035 steigen. Das wäre das 2,5-Fache. Die Problematik zeigt sich auch in anderen Ländern: Ein kontinuierlicher Ausbau der installierten Leistung allein löst das Problem der unregelmässigen Stromproduktion nicht. Es braucht einen massiven Netzausbau, um die riesigen Strommengen an sonnigen Tagen zu bewältigen. Da Solarstrom zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht in grossem Stil gespeichert werden kann, bleiben sogenannte «Dunkelflauten» an sonnenlosen Tagen ein Problem. Die Abhängigkeit von Back-up-Systemen wie Stromimporten und Gaskraftwerken nimmt deshalb trotz des Ausbaus der Solarenergie zu. Und solche Investitionen verteuern am Ende das gesamte Energiesystem.

Fokus auf Netz-Optimierung

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sollte der Ausbau der Photovoltaik-Stromgewinnung durch gezielte Steuerungsinstrumente reguliert werden; eine solche Steuerung muss darauf abzielen, die Kosten für den Netzausbau zu bremsen. Energieversorger sollten Anreize erhalten, verstärkt auf die Nutzung und Optimierung bestehender Netzinfrastrukturen zu setzen, anstatt ausschliesslich neue Kapazitäten zu schaffen. Ein gezielter und regional abgestimmter Ausbau der erneuerbaren Energien in Kombination mit einem strategischen Ausbau moderner, wasserstofffähiger Gaskraftwerke könnte somit nicht nur die Systemkosten erheblich senken, sondern auch die Versorgungssicherheit und die Wirtschaftlichkeit der Energiewende langfristig gewährleisten. In Deutschland und anderswo. Die McKinsey-Studie bietet hier einen wichtigen Diskussionsbeitrag und einen möglichen Fahrplan für die zukünftige Energiepolitik. Christine Frey fordert deshalb den Baselbieter Regierungsrat auf, «ein Steuerungsinstrumentarium für den Ausbau der Photovoltaik-Stromgewinnung» ein-zuführen. Damit sollen die Kosten für den Netzausbau gebremst und somit ein massiver Aufschlag der Stromkosten für die Endverbraucherin und den Endverbraucher verhindert werden. Der Kanton solle für Energieversorger Anreize schaffen, sich stärker auf die Nutzung und Optimierung bestehender Netz-Infrastruktur zu fokussieren, so Frey.