Der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können. Kurz vor der Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém Mitte November sorgte Bill Gates mit einem Aufsatz zur Klimapolitik weltweit für Diskussionen.
Er fordert einen «Reset» – ein Umdenken also, weg von Symbolpolitik, hin zu realistischen Lösungen, wenn es um politische Rahmenbedingungen rund um den Klimaschutz geht. Klimaziele allein genügten nicht, schrieb Gates.
Denn wenn der Weg dorthin die Wirtschaft schwächt, die Preise und somit die Lebenshaltungskosten hochtreibt sowie Energie zum Luxusgut macht, beginnt sich eine Spirale von Negativentwicklungen zu drehen. Am Ende steht die Versorgungssicherheit, die Krankheitsvorsorge gerade in ärmeren Ländern, die Wettbewerbsfähigkeit und der Wohlstand in westlichen Ländern auf dem Spiel.
Diese Überlegungen teilt auch der Hauseigentümerverband Baselland (HEV BL). «Zu lange war die Energiepolitik von Verzicht, Kleinmut und Planwirtschaft geprägt», sagt HEV-BLPräsident Christoph Buser auf Anfrage. «Das Resultat sind hohe Preise, Unsicherheit und schwindendes Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes Basel-Landschaft. Es ist Zeit, diese Energie-Tristesse zu beenden.»
Die von Gates angestossene Diskussion kommt zur rechten Zeit. Denn als allgemeiner Konsens gilt: Die Nachfrage nach Strom wird in den kommenden Jahren stark steigen – durch Elektromobilität, Digitalisierung und Wärmepumpen. Trotzdem bleibt die Energiepolitik fixiert auf Einzelprojekte, Verbote und bürokratische Auflagen. Dies belegt beispielsweise die Solarinitiative, die am 8. März 2026 zur Abstimmung gelangt. Der HEV BL warnt seit Langem, dass diese Politik zu einer gefährlichen Schieflage führt: Eigentümerinnen und Eigentümer werden durch starre Vorschriften insbesondere auch finanziell überfrachtet, während die Planbarkeit und rechtliche Sicherheit schwindet.
Was es jetzt braucht, sind technologieoffene Lösungen und marktwirtschaftliche Anreize statt planwirtschaftlicher Steuerung, so wie es die Initiative «Energiepolitik nur mit der Bevölkerung» will. Zur Erinnerung:
Die Initiative wurde von einem überparteilichen bürgerlichen Komitee lanciert, nachdem das revidierte kantonale Energiegesetz im Juni 2024 vom Landrat verabschiedet worden war, jedoch ohne eine notwendige Volksabstimmung durchzuführen. Die Abstimmung erfolgt voraussichtlich im Juni 2026.
Initianten und Unterstützer kritisieren, dass die Regierung und eine Mehrheit des Landrates alleine über weitreichende und potenziell verpflichtende Energiemassnahmen bestimmen würden, dass bei so wichtigen Fragen aber unbedingt auch die Stimmbevölkerung miteinbezogen werden müsse (der Hauseigentümer berichtete).
Energie soll wieder Motor der Entwicklung sein, fordert Buser: «Nicht der Verzicht, sondern der Fortschritt senkt Kosten und Emissionen zugleich. Das ist keine Absage an Nachhaltigkeit, sondern eine Einladung, sie mit ökonomischer Vernunft zu verbinden.»
Eine positive Energievision
Für den HEV Baselland ist klar: Energiepolitik ist nicht von der Eigentumspolitik abzukoppeln. Wer investiert, saniert oder neu baut, braucht Berechenbarkeit und kalkulierbare Rahmenbedingungen. Deshalb fordert der Verband ein Ende der Unsicherheit und eine Rückkehr zu einer Politik des Augenmasses. Bezahlbare Energie ist nicht nur Voraussetzung für funktionierende Märkte, sondern auch für funktionierendes Wohnen.
Dazu gehört auch der Mut, über Grossprojekte zu sprechen: Kleinteilige Ansätze sind teuer und ineffizient. Nur wenn Energie wieder bezahlbar wird, können Hauseigentümer investieren, Unternehmen planen und die Schweiz ihre Klimaziele überhaupt erreichen. «Wir stehen an einem Punkt, an dem Mut wichtiger ist als Paragrafen », sagt Buser. «Die Schweiz hat alle Voraussetzungen, um Vorbild zu sein: Innovationskraft, Forschung, Unternehmergeist. Aber wir müssen uns trauen, wieder gross zu denken – weg vom Klein-klein, hin zu mutigen, skalierbaren Lösungen.» Statt immer neuer Vorschriften soll der Staat Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen fördern und Innovation ermöglichen.

